Warum Milch nicht gesund ist

Heute sind Milchprodukte den meisten Industrienationen aus der Ernährung praktisch nicht mehr wegzudenken. Wir alle sind mit Werbeslogans wie «Milch macht starke Knochen» aufgewachsen. Doch mittlerweile mehren sich wissenschaftlich belegte Hinweise, dass Milch nicht so gesund ist, wie wir alle glauben.





Etwas Geschichte

Der Mensch lebt schon seit sehr langer Zeit auf dieser Erde. In Europa begann der Mensch jedoch erst vor ca. 3'500 Jahre vor unserer Zeitrechnung damit, vereinzelt Milchprodukte zu konsumieren. Diese Milch stammte von Tieren, die rund um die Uhr weiden und sich somit artgerecht hauptsächlich von frischem Gras ernähren konnten. Die Tiere frassen jedoch praktisch kaum Getreide und schon gar kein Soja. Sie wurden von Hand gemolken, und es blieb nur wenig Milch für den Menschen übrig, da Mutterkühe immer auch ihre Kälber säugten. Milchprodukte standen also sehr selten und nur in roher Form auf dem Speiseplan.


Die Dauerstallhaltung von Milchkühen begann erst vor 150 Jahren in unhygienischen, dunklen und feuchten Ställen. In Kombination mit artungerechtem, qualitativ minderwertigem Futter führte diese Art der Tierhaltung zu Rinderkrankheiten, Tierseuchen wie Tuberkulose und Infektionskrankheiten wie Cholera und Typhus. Diese Seuchen und Krankheiten übertrugen sich auch auf den Menschen, weshalb man beschloss, die Milch für den menschlichen Verzehr grundsätzlich zu erhitzen. In den 1930er Jahren begann man also, Kuhmilch zu pasteurisieren, sprich für ca. 30 Sekunden auf ca. 72°C zu erhitzen. Viele Menschen sahen in der Milch damals jedoch das, was sie immer war: eine tierische Körperflüssigkeit wie Blut oder Eiter, die eher Ekel als Appetit anregte.


Wie um alles in der Welt kam es jedoch dazu, dass das Milchproduktangebot in den Supermärkten für uns so normal geworden ist? Nun, die Milchindustrie witterte in der industriellen Milchverarbeitung das grosse Geld, und deshalb sollte die Nachfrage nach Milch gezielt angekurbelt werden. Mit Werbekampagnen wurde die Bevölkerung in einem ersten Schritt davon überzeugt, dass Milch keine Gesundheitsgefahr mehr darstellte. Man ging aber noch weiter: Die Botschaft wurde verbreitet, dass der Mensch ohne Kuhmilch Gefahr laufen würde, Mängel zu entwickeln. Der wohl bekannteste Werbeslogan in diesem Zusammenhang bezieht sich auf die Knochengesundheit.


Die Fakten

Kuhmilch ist einzig und alleine da, um ein Kälbchen innert sechs Monaten in ein Rind zu verwandeln. Voller artspezifischer Wachstumshormone und Antikörper hilft sie dem Kälbchen dabei, sein Geburtsgewicht in den ersten sechs Monaten seines Lebens zu verfünffachen. Zudem helfen ihm die artspezifischen Antikörper dabei, sein Immunsystem artgerecht zu entwickeln. Kuhmilch ist also ein Wachstumssaft für Kälbchen.

Das menschliche Immunsystem unterscheidet sich fundamental von demjenigen von Kühen. Wachstumshormone, die ein Verfünffachen des Körpergewichts unterstützen, brauchen wir weder als Säuglinge und schon gar nicht als Erwachsene. Wir brauchen überhaupt keine Milch. Was wir brauchen, sind Makro- und Mikronährstoffe – diese sind zwar auch in Milchprodukten enthalten, aber nicht ausschliesslich. Wir können uns wunderbar mit vielen anderen Lebensmitteln mit diesen essenziellen Nährstoffen eindecken, und das ganz ohne die Nebenwirkungen, die Kuhmilch für uns hat.


Und das Calcium?

Calcium ist wichtig für die Knochengesundheit – aber nicht ausschliesslich. Die Knochengesundheit ist ein komplexer Vorgang, für den z.B. auch Magnesium, Vitamin D, Vitamin K und Kalium eine wichtige Rolle spielen. Gemäss der Nurses’ Health Study bewirkt Milch sogar das Gegenteil von dem, was ihr nachgesagt wird: Anstatt die Knochen zu stärken, schwächt sie diese. Immer mehr Studien zeigen in dieselbe Richtung – hier eine kleine Auswahl:

Auch in der Schweiz erleidet jede zweite Frau über 50 einen osteoporosebedingten Knochenbruch, obwohl der Konsum von Milchprodukten bei uns eine verhältnismässig lange Tradition hat. Länder wie Afrika und Asien, wo bis heute praktisch keine Milchprodukte verzehrt werden, haben sehr niedrige Osteoporoseraten. Das kann kein Zufall sein.

Und auch unsere Vorfahren, die weit vor der Zeit lebten, bevor wir mit der industriellen Milchproduktion begannen, erfreuten sich guter Knochengesundheit. Denn nicht nur Milch enthält Calcium: insbesondere Grünpflanzen wie Spinat oder Grünkohl sowie Sesam sind wunderbare Calciumlieferanten. Und auch die oben erwähnten anderen Knochenbausteine sind reichlich in pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten.


Gesundheitliche Auswirkungen

Milch wirkt sich aber nicht nur negativ auf die Knochengesundheit aus:

Milch wird mit der Entstehung von Akne und Hautkrankheiten in Verbindung gebracht. Milchkonsum kann ausserdem die Entstehung von Krebs fördern.

Des Weiteren gibt es Zusammenhänge zwischen Milchproduktekonsum und der Entstehung von Erkrankungen aller Art wie Multipler Sklerose, Diabetes Typ 1, Arthritis und Arteriosklerose.

Und last but not least ist die Kuhmilch für die wohl am weitesten verbreitete Nahrungsmittelunverträglichkeit verantwortlich, die Laktoseintoleranz. Dies ist wenig erstaunlich. Denn unser Körper ist so geeicht, dass die Produktion von Laktase ab unserem dritten Lebensjahr aufhört. Wir produzieren also so lange das essenzielle Enzym für die Milchspaltung, wie wir von unserer Mutter gestillt werden könnten. Danach brauchen wir keine Milch mehr, denn wir vertragen eine riesige Palette an fester Nahrung, die uns mit allem versorgt, was wir für unsere Gesundheit benötigen. Es ist also eher erstaunlich, wenn jemand nach dem dritten Lebensjahr noch Milchprodukte (und dann erst noch artfremde) verträgt. Eine Laktoseintoleranz hingegen ist normal und von unserem Körper vorprogrammiert.


Ihr seid immer noch nicht überzeugt? Bilder sprechen ja bekanntlich mehr als Worte. Daher empfehle ich allen Skeptikern diesen fünfminütigen YouTube-Clip.


Ich will hier niemanden missionieren. Ich hoffe aber, dass ich euch zum Denken angeregt habe. Wie ihr eure Ernährung gestalten wollt, bleibt euch natürlich selbst überlassen. Wichtig ist mir einfach, dass Ernährung auf bewussten Entscheidungen beruht, die aufgrund wissenschaftlich fundierter Quellen zustande gekommen sind – und nicht aufgrund dessen, was uns die Werbung weismachen will.


Namasté!

Barbara


Quellen:

- Wie so oft war der Ausgangspunkt für meine Recherchen die Website des Zentrums der Gesundheit

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2020 © Barbara Jaeggi

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