Histaminintoleranz - meine Sicht

Wenn grüne Smoothies dick machen


Heute teile ich in einem ganz persönlichen Beitrag mit euch, wie ich meiner Histamin-Intoleranz endlich auf die Schliche kam und was das nun zu bedeuten hat.

Aber beginnen wir von Vorne: Natürlich habe auch ich meine eigene Anleitung befolgt und 2020 mit bewussten Intentionen begonnen. Dazu habe auch ich mir u.a. überlegt, wie ich mein 2019 in einem Wort beschreiben kann. Das Wort, das mir spontan einfiel, war "suchend". In diesem Post geht es um das, was ich in gesundheitlicher Hinsicht suchte und nun endlich gefunden habe. Eines vorneweg: Ich will kein Mitleid. Vielmehr will ich Verständnis wecken und aufklären. Und noch ein letzter Hinweis: Hier folgt keine wissenschaftliche Abhandlung über Histamin. Falls ihr aber Interesse habt, kann ich euch so einen Beitrag gerne zu einem späteren Zeitpunkt abtippen.


Nach einer Lebensmittelvergiftung 2018 kam ich gesundheitlich einfach nicht mehr ins Lot. Doch egal wie sehr ich suchte, egal, was ich ausprobierte, nichts brachte Linderung. Meine Verdauung spielte verrückt: einmal landete ich in der Notaufnahme, weil mein Brechreiz einfach nicht enden wollte; zweimal unterzog ich mich einer notfallmässigen Colon-Hydro-Therapie, weil mein Darm offensichtlich völlig überfordert war. Ich kämpfte mit mysteriösen Symptomen wie einem Hautausschlag: im Februar flammte er zum ersten Mal auf, heilte dann zwar ab, doch der Schatten des Ausschlags kam immer wieder zum Vorschein. Mein Wohlfühlgewicht konnte ich nur mit Müh und Not halten; ich kämpfte mit Gewichtsschwankungen von bis zu 2 kg von einem Tag auf den anderen, obwohl ich sehr aktiv bin (sportlich als auch im Alltag) und meine Makros seit über 2 Jahren täglich tracke. Ich hatte Wassereinlagerungen und wachte fast täglich mit einem geschwollenen Gesicht auf. Über meinen Nieren hatte sich im Sommer eine Gewebeansammlung gebildet, die einfach nicht mehr verschwinden wollte. Abends wurde ich so müde, dass ich meist um 20 Uhr ins Bett musste, weil ich vor Erschöpfung fast vom Stuhl kippte. Es gab manchen Abend, den ich vor lauter Blähungen nur in der Child's Pose liegend aushielt, um den Druck in meinem Bauch zu mildern.


Doch egal wie sehr ich suchte, ich fand die Ursache nicht. Ich isolierte mich zunehmend, was sich wiederum in depressiven Verstimmungen und Angststörungen äusserte. Ich begann, Essen zu fürchten - und zwar nicht, weil ich unter Orthorexie litt, sondern weil jede Mahlzeit zur Lotterie wurde: Geht es mir danach auch noch gut? Oder wird mein Bauch wieder leiden?

Mit genau dieser Angst machte ich mich im Oktober auch auf, um meine Level-2-Yogalehrerausbildung in Bali zu absolvieren. Gleichzeitig wollte ich mich aber von meinen Symptomen nicht daran hindern lassen, mein Leben zu leben. Und zu meinem grossen Erstaunen hatte ich während der 4 Wochen Ausbildung auch praktisch keine Symptome.

Doch in den zwei Wochen Ferien danach und v.a wieder zurück in der Schweiz war ich wieder beim alten Lotteriespiel angelangt. Erschwerend kam hinzu, dass mich Fadenwürmer und zwei Parasiten plagten, die ich mir als Souvenirs in Bali zugezogen hatte. (Eine kleine Anmerkung an dieser Stelle: Nein, ich werde nicht mehr so bald nach Bali reisen. :)) Diese Souvenirs zwangen mich jedoch, mich meinem Hausarzt anzuvertrauen. Er reagierte mit sehr viel Verständnis und schlug vor, mich mal mit FODMAPs ( ermentable oligo-, di- and monosaccharides and polyols", zu Deutsch „fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole“) auseinanderzusetzen. Auf dieser Spur war ich jedoch ebenfalls bereits angelangt, und auch der zweite Anlauf brachte keine nachhaltige Linderung. Zudem gingen gewisse Dinge einfach nicht auf. Doch ich gab nicht auf, recherchierte weiter und landete beim Histamin.

"Histamin ist ein Botenstoff, der im Körper eine Vielzahl an Aufgaben erfüllt: Es stimuliert die Magensaftproduktion, reguliert den Blutdruck, sorgt für einen harmonischen Schlaf-Wach-Rhythmus und steigert die Darmbewegung. Zudem spielt es eine wichtige Rolle bei allergischen Reaktionen und den damit einhergehenden Entzündungsprozessen. Histamin wird einerseits vom Körper selbst produziert, andererseits über pflanzliche sowie tierische Lebensmittel aufgenommen. In der Regel wird überschüssiges Histamin von Enzymen wieder abgebaut. Fällt mehr Histamin an, als abgebaut werden kann, reagiert der Körper. Kommt es zu Beschwerden, weil zu viel Histamin über die Nahrung zugeführt wurde, spricht man von einer Histaminunverträglichkeit."

Quelle: https://www.netdoktor.ch/krankheit/histaminintoleranz-8108


Fast alle tierischen Lebensmittel beinhalten viel Histamin, und als Veganerin konsumiere ich diese ja sowieso nicht. Histamin kommt aber auch in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Und als ich mir dann genauer anschaute, welche Lebensmittel denn viel Histamin beinhalten, traf mich fast der Schlag. Denn die Liste hätte auch einfach eine Abbildung meines Speiseplans sein können: Spinat, Avocados, Tomaten und Tomatenprodukte (sprich Ketchup), Auberginen, reife Bananen, Himbeeren, Erdbeeren sowie alle Hülsenfrüchte inkl. Sojaprodukte enthalten hohe Histaminmengen. Lebensmittel wie Algen, Sojasauce, Essiggemüse, und Pilze, die ich nicht regelmässig verzehre, die aber nach jedem Konsum übelste Beschwerden bei mir verursachten, enthalten ebenfalls hohe Mengen Histamin. Auch reagiere ich seit jeher mit Schwellungen und Rötungen auf Instektenstiche; und nach einem Glas Rotwein muss ich sofort ins Bett.

Kann es so einfach sein? JA! Nun, nachdem ich all diese Lebensmittel seit einer Woche aus meinem Speiseplan gestrichen habe, fühle ich mich wie ein neuer Mensch. Ich habe mein Leben zurück. Meine Wassereinlagerungen sind schon fast ganz verschwunden; die seltsame Gewebeansammlung über meinen Nieren bildet sich langsam zurück; und meine Blähungen sind Geschichte.

Doch nur mit dem Essen ist es nicht getan; eine Histaminintoleranz muss ganzheitlich behandelt werden. Bei (zu) intensiven Sporteinheiten z.B. produziert der Körper ebenfalls hohe Mengen Histamin; und auch Stress wirkt sich negativ auf dieses Gleichgewicht aus. Was hingegen sehr förderlich ist zur Senkung der Histaminlevel ist Yoga und Pilates - da hab ich ja noch einmal Glück gehabt. :)

Zum Schluss ist es mir wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass ich mit diesem Post v.a. auf die Histaminintoleranz und ihre verheerenden Auswirkungen auf die Gesundheit aufmerksam machen will. Denn mittlerweile wird angenommen, dass die Dunkelziffer von Betroffenen weitaus höher ist als die bisherigen Untersuchungen vermuten lassen. Manch einer weiss wahrscheinlich nicht, dass er oder sie ebenfalls betroffen ist, denn die Toleranzschwelle ist individuell unterschiedlich und wird zudem durch Umweltfaktoren wie den genannten Stress oder Sporteinheiten, aber auch durch Luftschadstoffe und gar die Wetterlage beeinflusst. Auch ist der Histamingehalt in Lebensmitteln sehr variabel, wodurch sich auch die Symptome nicht immer gleich präsentieren.

So oder so: Ich werde diesen Pfad weiterverfolgen und euch bei Interesse gerne ein Update geben, wie es mir so ganz ohne Histamin ergangen ist.


Namasté

Barbara

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2020 © Barbara Jaeggi

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